Landmarke 15
Schloss Ballenstedt - Unteres
Selketal
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| Am Rande der Stadt und an der Grenze des geschlossenen
Waldgebietes des Harzes auf einem Berg gelegen, erhebt sich Schloss Ballenstedt.
Für Reisende, die von Osten auf der B 185 über den als „Die Hohe" bezeichneten
Kalkhöhenzug kommen, ist es bereits weithin sichtbar. Im Jahre 1765 erhoben die
Fürsten von Anhalt-Bernburg das Schloss Ballenstedt zu ihrer Residenz. So wie
dieses Schloss deshalb in besonderer Weise mit dem Herzogtum Anhalt verbunden
ist, sind es auch die Zeugen des Bergbaus, die nachfolgend rings um Ballenstedt
zwischen Frose, Tilkerode, Harzgerode und dem Anhaltischen Saalstein an der
früheren Grenze zu Preußen, zum Besuch empfohlen werden. Das Schloss
Ballenstedt, eine barocke Dreiflügelanlage, wurde in der ersten Hälfte des 18.
Jh. unter Einbeziehung von Teilen der ehemaligen Klosteranlage erbaut. Im
ehemaligen Westwerk der Klosterkirche befinden sich die Grabstätten ALBRECHT DES
BÄREN (1100 - 1170) und seiner Gemahlin SOPHIE. |
| Zum
Schlossareal gehört auch ein Schlosspark, der nach Entwürfen von
PETER JOSEPH LENNÉ (1789 - 1866) angelegt wurde und von einer
aufwändigen formalen „Wasserachse" im Stil italienischer
Villengärten sowie weiten landschaftlichen Partien geprägt ist. |
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| Zur Entwicklungsgeschichte des Gebietes |
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Das Gebiet zeigt in eindrucksvoller Weise die Entstehungsgeschichte
eines ca. 500 Mio. Jahre alten Gebirges und dessen Aufschiebung auf sein
jüngeres Vorland. Seit dem Ordovizium war das Gebiet des Harzes ein
Meeresbecken, welches über 180 Mio. Jahre von feinkörnigen Sedimenten aufgefüllt
wurde. Während des Devons veränderte sich der Boden des Meeres in Schwellen und
Becken. Gleichzeitig kam es zu einem intensiven untermeerischen Vulkanismus, der
bis in das jüngere Unterkarbon anhielt. Mächtige Basaltkörper drangen in die
devonischen Sedimente ein. Ein solcher Intrusivkörper, ein sogenannter
„Diabasgang“ ist am Osterteich bei Gernrode (12) zu besichtigen. Im Zeitraum vor
360 bis 330 Mio. Jahren wurde das Gebiet des Harzes von der variszischen
Gebirgsbildung erfasst, dabei gefaltet, herausgehoben und teilweise abgetragen.
Zum Abschluss erfolgte vor rund 300 Mio. Jahren der Aufstieg saurer Magmen. Das
Granitmassiv des Rambergs gehört in diese Zeit. |
Während des Rotliegenden (vor
320 bis 272,5 Mio. Jahren) verstärkte sich die Abtragung in die nach der
Gebirgsbildung entstandenen Senken hinein. Klimatisch bedingt kam es zur Bildung
von Steinkohle, wie sie heute noch im Meisdorfer Becken auf alten Halden (z.B.
bei Opperode) zu finden ist. In der zwischen Hoym und Badeborn gelegenen Mulde
sind die jüngeren Gesteine der Kreidezeit erhalten geblieben. Der Höhenzug des
Ruhmbergs bei Badeborn kündigt den Quedlinburger Sattel an. Hier treten ältere
Gesteine z.B. der Muschelkalk (243 – 230 Mio. Jahre alt) zu Tage. Südlich von
Badeborn befindet sich die mit Sandsteinen der Kreidezeit (89 - 81 Mio. Jahre
alt) gefüllte Blankenburger Mulde. Deren Südflanke mit den Gegensteinen ist
morphologisch herausgehoben. Die Gegensteine bestehen aus Sandstein, der durch
silikatische Lösungen aus dem Untergrund besonders verfestigt ist (quarzitischer
Sandstein). Die Steilstellung der Schichten ist ein Beweis für die Heraushebung
des Harzgrundgebirges und seine Aufschiebung nach Norden vor ca. 80 Mio. Jahren.
Am Bückeberg bei Gernrode sind die Schichten des Muschelkalk steilgestellt und
teilweise überkippt.
In den absinkenden Randsenken des aufsteigenden
Salzstockes von Aschersleben kam es im Tertiär (vor 49 – 37 Mio. Jahren) zur
Bildung eines ausgedehnten Moores. Die Braunkohlenlagerstätte bei Frose konnte
so entstehen. |
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Die Landmarke des Gebietes:
Museum Ballenstedt ( 1 )
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Das in einem Barockpalais aus dem 18. Jahrhundert untergebrachte
Museum ist Teil des historischen Gebäudeensembles am Schlossplatz. Das Museum
zeigt die Besiedlungs-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt. Die
Ausstellung informiert auch über die „Residenzzeit“, als Ballenstedt bis in das
Jahr 1863 Sitz der Fürsten und Herzöge von Anhalt-Bernburg war. Im Museum
befinden sich außerdem eine Mineraliensammlung sowie eine kleine Ausstellung
über die Bergbaugeschichte der Region. Das ebenfalls am Schlossplatz gelegene,
1788 im frühklassizistischen Stil erbaute Schloss- und Hoftheater, ist das
älteste Theater Sachsen-Anhalts. In den 215 Jahren seines Bestehens konnte das
einmalige Ambiente des Theaters im Innen- und Außenbereich bewahrt werden. Das
Theater kann jedoch nur zu Aufführungen besucht werden.
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Öffnungszeiten
Museum: Mai-Okt. Di. - Fr. 10.00 - 17.00 Uhr Sa. - & So. 10.00 - 12.00
& 14.00 - 17.00 Uhr November - April Di. - Fr. 10.00 - 16.00 Uhr Sa.
& So. 10.00-12.00 & 14.00 -16.00 Uhr Tel.: 039483 / 8866 |
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Kreide:
Gegensteine Ballenstedt
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Die Gegensteine befinden sich nördlich von Ballenstedt. Zum Parkplatz
der in einem Naturschutzgebiet gelegenen Gegensteine weist die Beschilderung am
westlichen Ortseingang Ballenstedts im Zuge der B 185 bzw. der L 242. Vom
Parkplatz gelangen wir in ca. 10 Minuten zum Kleinen Gegenstein. Ein Fußweg
führt von dort zum Großen Gegenstein. Die Gegensteine gehören zu der
Aufrichtungszone entlang des Nordharzrandes. Es handelt sich um
Involutus-Sandstein aus der Oberkreide. Durch Abtragung entstand die als
Schichtrippe herauspräparierte, morphologische Form. Der Große Gegenstein kann
über eine in den Fels gehauene, steile Treppe bestiegen werden. |
| Der Mut wird
durch einen atemberaubenden Ausblick auf den Nordharzrand mit Ballenstedt im
Süden, auf den Brocken, die Aufrichtungszone des nördlichen Harzvorlandes mit
Teufelsmauer und Regenstein im Westen (Landmarke 9) sowie auf die
Blankenburger Mulde, die Seweckenberge und das im Anhaltischen gelegene Dorf
Badeborn im Norden belohnt. Die Inschrift der vermutlich aus Mägdesprung
stammenden Kunstgusstafel aus dem Jahr 1863 erinnert an die Errichtung des
Kreuzes auf dem Großen Gegenstein im Todesjahr des Herzogs ALEXANDER CARL VON
ANHALT-BERNBURG (1805 - 1863). Schmuckfunde (Museum Ballenstedt) aus der
Bronzezeit weisen auf die frühe Besiedlung des Gebietes hin. Für die kleine
Wanderung sollte man 1 bis 2 Stunden einplanen. |
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Muschelkalk:
Ehemaliger Steinbruch am
Bückeberg Gernrode
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Am nördlichen Ortsrand von Gernrode befindet sich der ehemalige
Kalksteinbruch Bückeberg. Den Geopunkt erreichen wir vom Parkplatz Gernrode
(Straße nach Bad Suderode) über den markierten Wanderweg in ca.10 Minuten. Aus
dem Unteren Muschelkalk stammend gehört der Bückeberg zu der Aufrichtungszone
entlang des Nordharzrandes. Durch den künstlichen Aufschluss ist die überkippte
Lagerung der Schichten gut zu erkennen. Das Profil ist eines der vollständigsten
zusammenhängenden Muschelkalkprofile in Mitteldeutschland. Vom Parkplatz aus
erreicht man in ca. 5 Minuten zu Fuß auch die Stiftskirche St. Cyriakus. Die
über 1.000 -jährige Stiftskirche ist der einzige weitgehend unverändert
gebliebene Kirchenbau Deutschlands aus ottonischer Zeit. |
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Karbon mit Granit:
Anhaltinischer
Saalstein und Rambergmassiv ( 4 )
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Am Ende des Kurparks Bad Suderode befindet sich ein von der Straße
nach Friedrichsbrunn aus erreichbarer Parkplatz. Entgegen der Fließrichtung des
Baches, auf dem schattigen Weg im Kalten Tal, erreichen wir zu Fuß in gut einer
halben Stunde den Gipfel des Anhaltischen Saalsteins (vom Tal aus 800m steiler
Aufstieg). Auf dem Weg dorthin queren wir den Bach hinter der Gaststätte
„Felsenkeller“ und erreichen zunächst die „Lessinghöhle“ (Abbau von Flußspat und
Kupferkies im 16./ 17. Jh.). Der aus Ramberg-Granit bestehende Saalstein wurde
auf der Grundlage des Anhaltischen Naturschutzgesetzes vom 14. Juni 1923 und
einer in Ausführung dieses Gesetzes erlassenen Ministerialverordnung am 26.
Januar 1924 unter Schutz gestellt. Er ist ein Ausschnitt der westexponierten
Steilhänge (320 bis 380m ü. NN) des Kalten Tales mit Felsklippen und
Blockschutthalden im Zweiglimmergranit des Ramberg-Plutons. |
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Am Fuße des
Anhaltischen Saalsteins verläuft die ehemalige Grenze zu Preußen. Bei den
Straßenbauarbeiten um 1890 wurde dort ein imposanter Wasserfall des
Kalte-Tal-Baches zerstört. Gegenüber erhebt sich der Preußische Saalstein. Wandern wir vom Anhaltischen Saalstein den Schutzhüttenweg entlang, erreichen
wir nach 4,5km die höchste Erhebung des Rambergs, die Viktorshöhe (581m ü. NN).
Der Name geht auf Fürst VIKTOR FRIEDRICH VON ANHALT (1700 - 1765) zurück, der um
1750 unterhalb des Berges ein Jagdhaus besaß. In der Nähe befinden sich die
Klippen der Kleinen und der Großen Teufelsmühle (Ramberg-Granit mit
Wollsackverwitterung). Wer nicht denselben Weg zurücklaufen möchte, dem wird
empfohlen, weitere 3km zum Bärendenkmal zu wandern. Eine gusseiserne Tafel in
einem Granitstein erinnert an den letzten Bären, der an dieser Stelle Ende des
17. Jh. in den anhaltischen Forsten erlegt wurde. Nach einem weiteren Kilometer
erreichen wir den Bremer Teich (mit Bademöglichkeit und Campingplatz), von wo
aus es dann bis zum Haltepunkt „Sternhaus-Ramberg" der Harzer Schmalspurbahn nur
noch 2km Fußweg sind. Wegen der artenreichen Laubwälder ist das gesamte Gebiet
Teil des europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000. Wer sich keine weite
Wanderung zumuten möchte, dem sei ein Besuch des Gesteinsgartens im Kurpark Bad
Suderode empfohlen (vom Parkplatz ein kurzes Stück talabwärts). |
Karbon mit Grauwacke: Steinbruch
Rieder
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An vielen Stellen zwischen Ballenstedt und Gernrode sind kleinere und
größere Abbaustellen der insbesondere für den Verkehrswegebau wichtigen
Grauwacke zu finden. Überwiegend sind die ehemaligen Steinbrüche heute nach dem
Naturschutzgesetz des Landes Sachsen- Anhalt besonders geschützte Biotope. In
einem der Steinbrüche wird von der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH auch heute
noch Grauwacke gewonnen und verarbeitet. Trotz seiner inzwischen bedeutenden
Ausmaße ist der Gewinnungsbetrieb aber so angeordnet, dass er die
Erholungseignung des Naturparks Harz nicht beeinträchtigt. Die bewaldete
Harzrandzone bleibt erhalten, und die Höhe der Abraumhalden wird das natürlich
gewachsene Geländeniveau nicht überschreiten. Aus Sicherheitsgründen kann der
Steinbruch derzeit noch nicht für den Besucherverkehr freigegeben werden, doch
wird ein künftiger Abschlussbetriebsplan auch die Einrichtung einer
Aussichtsplattform vorsehen.
Informationen:
www.mdb-gmbh.de/rieder/ |
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Oberkarbon - Unterperm mit
Steinkohle: Kohlenschacht Opperode ( 5 )
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| Nur an einer Stelle, bei
Opperode, wurde in Anhalt von 1573 bis 1824
Steinkohle geschürft. Ausgebeutet wurden geringmächtige Flöze innerhalb des
Rotliegenden. Eine Wanderung durch das Revier beginnen wir am Sportplatz des
Ballenstedter Ortsteils Opperode und verbinden diese mit einer Besteigung des
Bismarckturms. Lohnend ist auch der Besuch des als Naturbad beliebten
Kunstteiches, der 1749 für die Wasserhaltung des nahegelegenen
Steinkohlenschachtes angelegt wurde. |
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Strulle
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Wann und zu welchem Zweck die “Strulle” gegenüber dem Schlossteich von Meisdorf
angelegt wurde ist nicht bekannt. Ein vermuteter direkter Zusammenhang mit dem
ehemaligen Opperöder Steinkohlenbergbau konnte bisher noch nicht eindeutig
belegt werden. Bei einer Begehung des etwa 10 m Meter tief in den Berg führenden
Stollens wurden im Sommer 2007 mehrere Golfbälle in einer Seitennische gefunden,
die vermutlich vom Meisdorfer Golfplatz stammen und somit auch auf eine
Verbindung zur Erdoberfläche schließen lassen. Die “Strulle” wird von einer
Verwerfungsquelle gespeist. Hinsichtlich seines Lösungsinhaltes hat das Wasser
einen intermediären Charakter. |
| So ist es bei weitem nicht mehr so arm an
Mineralstoffen, wie es die Quellwässer im Harzgebirge gewöhnlich sind,
andererseits verfügt es aber auch nicht über die höheren Lösungskonzentrationen,
wie sie häufig an den zechsteinbürtigen Quellen des nahen Harznordrandes
auftreten. Sein Gehalt an festen gelösten Stoffen liegt bei ungefähr 700 mg/l.
Hauptbestandteile sind mit etwa 65% Calzium und Hydrogenkarbonat. Der Rest setzt
sich aus Natrium, Kalium, Magnesium, Sulfat und Chlorid zusammen. Nach einer
Inschrift an der Natursteineinfassung wurde die “Strulle” letztmalig am 9. Mai
1937 saniert. |
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Anhaltinisches Bergamt Harzgerode
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Das Schloss Harzgerode ließ Fürst GEORG III. VON ANHALT-DESSAU
(1507–1553) auf einer älteren Anlage zwischen 1549 und 1552 aufbauen. Im Laufe
der Jahrhunderte wechselte die Nutzung des Schlosses, und so war es im 19. Jh.
auch Anhaltisches Bergamt. Der Brunnen auf dem Marktplatz Harzgerode mit
Darstellung der Lage der Gangzüge im Revier weckt die Neugier auf weitere
Entdeckungen des anhaltischen Bergbaus auch in der angrenzenden Landmarke 10 –
Auerberg - Oberes Selketal.
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Gold, Silber, Selen und Eisenerz:
Bergbaulehrpfad Tilkerode ( 8 )
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Wir folgen der Straße zwischen Abberode und
Stangerode, um zu einem
der beiden Ausgangspunkte des Bergbaulehrpfads zu gelangen. Der fünf Kilometer
lange Weg führt durch das ehemalige Tilkeröder Eisenerzrevier, vorbei an
Pingen,
Halden und verbrochenen Stollenmundlöchern. Völlig isoliert von den generell
hercynisch streichenden Unterharzer Gängen treten hier in einem aus silurischen
Graptolithenschiefern und darin eingelagerten Diabasen bestehenden Sattel einige
Nord-Süd verlaufende, steil nach Osten einfallende Eisenerzgänge auf. Dieses
Revier lieferte bis 1858 etwa 35-40.000 t Eisenerz, die größtenteils auf der
Eisenhütte Mägdesprung verarbeitet wurden. In Fachkreisen weltweit bekannt wurde
Tilkerode 1821, als der Bergrat JOHANN LUDWIG CARL ZINCKEN (1791 - 1862) hier
edelmetallhaltige Seleniderze entdeckte. 1825 wurden darin auch Gold und Spuren
von Palladium nachgewiesen. Die an sich unbedeutende Menge von rund 400 Gramm
Gold besaß einen hohen ideellen Wert, war es doch das einzige Gold, das jemals
in Anhalt gewonnen wurde. Denn die Gemarkung Tilkerode war eine anhaltische
Exklave, in die das preußische Abberode eingeschlossen war. Aus dem Tilkeröder
Gold wurden 116 Dukaten geprägt, die die Aufschrift „EX AURO ANHALTINO" tragen. |
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Industriegeschichte des Selketals:
Carlswerk Mägdesprung
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Kurz hinter dem Abzweig der Straße zur Selkemühle von der B 185
befindet sich das Carlswerk, ein technisches Denkmal, dessen Maschinen und
Anlagen funktionstüchtig erhalten sind und das in der Etage über der
Maschinenhalle eine hochinteressante Ausstellung zur industriegeschichtlichen
Entwicklung des Standortes beherbergt. Am 9. November1646 wurde durch einen
Vertrag zwischen Fürst FRIEDRICH VON ANHALT (1613 – 1670) und dem vermögenden
Tuchhändler aus Quedlinburg, JOHANN HEIDFELD, die „Eisenhütte unter dem
Mägdesprung" gegründet. Teil der späteren Mägdesprunger Eisenhüttenwerk AG war
ab 1829 die Maschinenfabrik, zu der ab 1842 auch das Carlswerk gehörte. Zur
Palette der unzähligen verschiedenen Produkte der bis in das Jahr 1991
reichenden Geschichte der Maschinenfabrik zählen nicht nur Wasserhaltungsanlagen
für den Bergbau, Brechwerke und Mühlen zum Zerkleinern von Gesteinen, sondern
auch Dampfmaschinen sowie Maschinen und Anlagen für Zuckerfabriken,
Getreidemühlen, Brennereien, Ziegelindustrie, Pulvermühlen, Sägewerke bis hin zu
Uhrengewichten (in Zapfenform für deutsche oder in Holzschuhform für
holländische Uhren), Öfen und zuletzt Gaskochern. |
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Öffnungszeiten: Di. - Fr. 09.00 – 16.00
Uhr Sa. & So. 11.00 – 16.00 Uhr An Feiertagen gibt es gesonderte
Öffnungszeiten. www.harzgerode.de |
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| In Hammerwerken (I. bis IV.
Hammer) entlang der Selke unterhalb von Mägdesprung wurde das Eisenerz
zerkleinert und in Blauöfen eingeschmolzen oder Roheisen aus Mägdesprung
weiterverarbeitet. Gleich unterhalb des Carlswerkes befindet sich so der
I.Hammer, dessen Turbine nach der Einstellung der Erzverarbeitung noch bis 1956
Strom lieferte. Verlässt man am III.Hammer linksseitig das Selketal entdeckt man
zwei architektonisch interessante Mehrfamilienhäuser und einen historischen
Friedhof mit Zeugnissen des Mägdesprunger Kunstgusses. Das Baumaterial für die
Häuser lieferte der gegenüber dem Carlswerk gelegene
Plattenschieferbruch. Im Jahr 1821 übernahm ZINCKEN das Amt eines
Direktors der anhalt-bernburgischen Berg- und Hüttenwerke. Bergrat
ZINCKEN lebte und arbeitete 27 Jahre lang in Mägdesprung. Ihm
gelang die Entdeckung mehrerer neuer Minerale, von denen eines den
Namen Zinckenit trägt. |
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Kunstguss Erbstollenportal bei
Mägdesprung ( 10 )
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Ein Erbstollen ist in der Sprache der Bergleute der tiefste
Entwässerungsstollen in einem Grubenrevier, der den darüber liegenden „enterbt“
hat. Zwischen III. und IV. Hammer finden wir dort, wo der Schiebecksbach in die
Selke mündet, das Portal des Herzog-Alexis-Erbstollen. Um dorthin zu gelangen,
wandern wir von Mägdesprung aus auf dem „Selketalstieg“, der uns später weiter
zur gemütlichen Einkehr im Land- und Reiterhotel Selkemühle führt. Schon ab dem
IV. Hammer weitet sich der Talgrund des Selketals zu einem Wiesental mit
romantischen Landschaftsbildern. Der 2.256 m lange Herzog-Alexis-Erbstollen
wurde zwischen 1831 und 1864 zur Untersuchung der Gangzüge nördlich von
Harzgerode vorgetrieben. Sein im Zeitraum 1830 bis 1848 entstandenes
klassizistisches Portal ist ein eindrucksvolles Zeugnis zeitgenössischer
Kunstgussprodukte, die zwischen 1821 und 1914 in Mägdesprung entstanden. Viele
weitere Zeugnisse des Mägdesprunger Kunstgusses finden wir bis zum IV. Hammer
und insbesondere in Mägdesprung. |
| Beispielhaft sei hier die 1862 entstandene
Gussplastik „Der besiegte Hirsch" erwähnt. Auch die berühmte Gussplastik
„Siegender Hirsch" in Friedrichsruh bei Hamburg wurde 1895 in Mägdesprung
gegossen. Sie war ein Geschenk des Landes Anhalt an Fürst OTTO VON BISMARCK
(1815 - 1898) zu dessen 80. Geburtstag. |
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Kurmittel und Felsklippen:
Alexisbad ( 11 )
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Alexisbad, in einer Aufweitung des Selketales an der B 185 gelegen,
wurde 1810 unter der Regierung des Fürsten ALEXIUS FRIEDRICH CHRISTIAN VON
ANHALT-BERNBURG (1767 - 1834) als Badeort gegründet. Das Kurmittel,
eisensulfathaltiges Wasser mit hohem Fluoridanteil, lieferte der sogenannte
„Selkebrunnen". Diese Wasserfassung findet man am Mundloch des Schwefelstollen
I. Zu nennen sind auch noch die „Freundschaftsquelle“ (Schwefelstollen II) und
das eingefasste Mundloch des Katharinenstollens, der „Alexisbrunnen“. Sehenswert
bei Alexisbad sind besonders die Felsklippen unterschiedlicher Gesteinsarten.
Der „Kapellenfelsen" und der „Habichtfelsen" bestehen aus Plattenschiefer, der
„Adolffelsen" aus Tanner Grauwacke mit conodontenführenden Kalkbändern
(Mikrofossilien). In Alexisbad, dass in dem zur damaligen Zeit bedeutenden
Industrieort Mägdesprung eingepfarrt war, gründeten Ingenieure aus ganz
Deutschland am 12. Mai 1856 den Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Zu den 23
Gründungsmitgliedern zählte auch der Hüttenmeister CARL BISCHOF (1812 - 1884)
aus Mägdesprung. Ihr Ziel war es, alle geistigen Kräfte der Technik zum
gemeinsamen Wirken zusammenzufassen. Ihre Idee hat bis heute Bestand. |
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Tertiär mit Braunkohle:
Anhaltische
Kohlenwerke Frose
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Noch im Jahr 1904 fanden allein in der Grube der Anhaltischen
Kohlenwerke bei Frose 192 Bergleute Arbeit. Die geförderte Braunkohle diente
nicht nur der Brennstoffversorgung in einem Umkreis von ca. 50 km Radius,
sondern war auch der Rohstoff für die Jahresproduktion von 935 t Teer und 7.650
t Grudekoks, mit deren Herstellung viele weitere Menschen ihr Lohn und Brot
verdienten. In den letzten Jahrzehnten war der anhaltische Braunkohlenabbau
wegen nahegelegener viel bedeutenderer Tagebaue im Nachterstädter Revier
weitgehend in Vergessenheit geraten. Erst die Böschungssanierung nach 1990
erzeugte wieder Aufmerksamkeit für das zuvor von Wald umgebene Tagebaurestloch,
dass man unmittelbar in der Nähe des Bahnhofs Frose findet. |
| Die Besichtigung des
Tagebaurestlochs kann man mit einem Abstecher zum Concordia-See im
Naherholungsgebiet „Seeland" Landmarke 14 verbinden. Sehenswert in Frose ist
auch die romanische Stiftskirche. THOMAS MÜNTZER (um 1490 - 1525) wirkte hier
von 1515 - 1517 als Probst. |
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Ausgewählte Informationsstellen,
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten |
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1.) Hotel Habichtstein Alexisbad www.habichtstein.de Tel.:
(039484) 7800
2.) Schlosshotel Meisdorf www.vandervalk.de/2004/harzhotel/de/ Tel.: (039483) 980
3.) Land- und Reiterhotel
Selkemühle Mägdesprung www.hotel-selkemuehle.de Tel.: (039484) 2341
4.) Großer Gasthof Ballenstedt www.vandervalk.de/ballenstedt Tel.:
(039483) 510
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| Die Karte hilft Ihnen bei der Planung Ihrer ganz persönlichen
Georoute, rund um die Landmarke Schloss Ballenstedt. Geotope, geologische
Einrichtungen und ausgewählte historische Bauwerke, die aus dem im Gebiet
anstehenden Gestein errichtet wurden, können Sie besuchen, besichtigen oder
erwandern. Die Beschreibungen enthalten zusätzliche Informationen über
Öffnungszeiten. Der Regionalverband Harz e. V. wünscht Ihnen gute Erholung und
interessante Einblicke in Geologie und Geschichte im hier vorgestellten Teil des
Geoparks Harz!
Veröffentlichung der Kartografie mit
freundlicher Genehmingung des
Verwaltungs-Verlages München
www. stadtplan.net-Lizenz-Nr. 03-09-92 |
Text: Dr. K. George & Ch. Linke Fotos: George,
RVH,
MDB
© Regionalverband Harz e.V. - Hohe Straße 6 - 06484 Quedlinburg -
- Tel.: 03946/96410 - Telefax: 03946/964142 - Email:
rvh@harzregion.de
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